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Modul III

Allen Kindern eine Chance: Vorurteilsbewusste Begegnung, Erziehung und Bildung – 5 Tage.

  • Zur Situation von sozial benachteiligten Eltern und deren Kindern.
  • Unterstützung von Eltern mit und ohne Migrationshintergrund.
  • Öffentlich sensibilisieren, präsentieren und werben.

Einführung.

Bildungsdistanz ist häufig eine Frage des Milieus. Niederschwellige und/oder aufsuchende Angebote sprechen daher sozial benachteiligte Familien mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen an. Eine innere Distanz zu Bildungsinstitutionen erleben vor allem solche Väter und Mütter, die als sozial benachteiligt charakterisiert werden. Diese Distanz resultiert in der Regel aus den eigenen diskriminierenden Erfahrungen und Misserfolgen, die sie als Kinder in Kita und Schule gemacht bzw. erlitten haben. Als Mutter und Vater werden sie häufig als problematisch wahrgenommen und kritisiert („Ihr Kind spricht nicht (gut) genug Deutsch”, „Ihr Kind ist häufig aggressiv”, „Ihr Kind sollte nicht so viel fernsehen” etc.).

Kinder spüren diese Unsicherheit und die daraus resultierende Ambivalenz ihrer Eltern („Bildung ist wichtig, aber ich fühle mich in Bildungsinstitutionen nicht wohl“). Sie erleben unter Umständen bereits früh, dass ihre Mutter, ihr Vater nicht ungezwungen und selbstbewusst zum Beispiel mit den Erzieher_innen der Kita sprechen kann, dass er/sie von sich aus nicht das Gespräch sucht. Dies hinterlässt je nach Ausgeprägtheit bereits vor Schuleintritt deutliche Spuren bei den Kindern und beeinträchtigt die Unbefangenheit, Wissbegierde und Freude am Lernen, die Kinder üblicherweise und insbesondere in Erwartung der Einschulung zeigen.  

Sozial benachteiligte Väter und Mütter mit und ohne Migrationshintergrund erfahren:

  • Das deutsche Bildungssystem ist nicht transparent.
  • Ihr Bildungsverständnis wird von den Institutionen nicht geteilt.
  • Eigene Unsicherheit bezüglich der Möglichkeiten der pädagogischen Professionen.
  • Eine differenzierte Verständigung ist aufgrund unterschiedlicher Sprachen oder Sprachstile erschwert.
  • Es gibt Vorurteile und daraus resultierende diskriminierende Verhaltensweisen in den Bildungsinstitutionen.
  • Seitens der Erzieher_innen oder Lehrer_innen werden Probleme des Kindes oft mit dem familiären Hintergrund in Verbindung gebracht.
  • Fachkräfte äußern oft Kritisches über ihr Kind.
  • Mütter oder Väter erhalten kaum Anerkennung und Wertschätzung.

Deshalb meiden sie den Kontakt mit den Institutionen entweder völlig oder suchen ihn in sehr hohem Maße.

Auch Elternbegleiter_innen und die Mütter und Väter, mit denen sie arbeiten, werden sich zunächst „fremd“ sein und sich möglicherweise mit bewussten oder unbewussten Vorurteilen begegnen. Diese aufzugreifen, zu reflektieren und bewusst damit umzugehen, ist eine große Herausforderung für und zentrale Aufgabe der Elternbegleiter_innen. Der Anti-Bias-Approach (vorurteilsbewusste Erziehung) von Louise Derman-Sparks ermutigt dazu,

  • sich seines eigenen (kulturellen) Hintergrunds bewusst zu werden;
  • unterschiedliche Bildungs- und Erziehungsvorstellungen sowie Kommunikationsstile von Menschen in Erfahrung zu bringen;
  • Einseitigkeiten und Diskriminierung aufzudecken und ihnen zu begegnen;
  • Dialoge über Einseitigkeiten und Diskriminierungen zu führen und Lösungen zu suchen.

Dieser Ansatz unterstützt die dialogische Grundhaltung in der Begegnung mit Vätern und Mütter; mit ihm wird auch in der Qualifizierung zur_zum Elternbegleiter_in gearbeitet.

Fachkräfte der Familienbildung sind fachlich gut für die Aufgabe als Elternbegleiter_in vorbereitet. Zu ihren Aufgaben gehört es jedoch in der Regel weniger, für sich, ihre Anliegen und Angebote öffentlich aufmerksam zu machen. Um das Thema „Elternbegleitung in Bildungsverläufen von Kindern“ im sozialen Nahraum bekannt und attraktiv zu machen, erhält dieses Modul je eine Sequenz zur Professionalisierung von Präsentationstechniken und zur Erarbeitung niederschwelliger Veranstaltungsformen.

A Zur Situation von sozial benachteiligten Eltern mit und ohne Migrationshintergrund.

Folgende Themen werden u. a. bearbeitet:

  • Als Fachkraft auf fremde Familien zugehen.
  • Interkulturell kompetent und vorurteilsbewusst agieren.
  • Grundlegende Beratungstechniken kennen und anwenden lernen.
  • Zusammenhänge von Lebenslage, sozialem Milieu und Bildungskompetenz erkennen (u. a. Armut als mehrdimensionale Lebenslage und ihre Auswirkungen auf Bildung und Erziehung) und konstruktiv darauf reagieren.

    B Unterstützung sozial benachteiligter Väter und Mütter.

    Folgende Themen werden u. a. bearbeitet:

    • Situationen und Emotionen von Müttern und Vätern wahrnehmen (Erfahrungen, emotionale Haltung, Bereitschaft, Neugier, Frust etc.) und daran anknüpfen.
    • Vorhandene (negative) Gefühle von Müttern und Vätern in Bezug auf Bildungsinstitutionen erkennen, aufgreifen und positiv umdeuten.
    • Sozial benachteiligte Mütter und Väter darin unterstützen, Bildung als Chance für ihr Kind zu verstehen.
    • Sozial benachteiligte Väter und Mütter dazu ermutigen, sich im deutschen Bildungssystem zurechtzufinden.
    • Sozial benachteiligte Mütter und Väter darin stärken, selbstbewusst Gespräche mit pädagogischem Personal über Bildungsverläufe und Chancen ihres Kindes zu führen.
    • Grundlegende Beratungstechniken kennen und anwenden lernen, Kommunikationsstile und -modelle kennen und anwenden lernen.
    • Herkunft, Ethnie, Religion etc. wahrnehmen, wertschätzen und die in der Vielfalt enthaltenen Ressourcen nutzen.
    • Detailwissen und Methodenkompetenz, um möglichst viele Eltern zu erreichen.

    C Wie trete ich als Elternbegleiter_in in Kontakt zu Eltern/Familien?

    Folgende Themen werden u. a. bearbeitet:

    • Netzwerke sozial benachteiligter Familien mit und ohne Migrationshintergrund initiieren und stützen.
    • Netzwerkakteur_innen als Partner_innen und Unterstützer_innen entdecken und nutzen.
    • Grundlagen der Gesprächsführung erwerben.
    • Angemessene Sprache/Sprachstile entwickeln.
    • Vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.
    • Isolation und Distanz in Familien aufbrechen.

    D Wie Fachkräfte als Elternbegleiter_in öffentlich sichtbar werden.

    Folgende Themen werden u. a. bearbeitet:

    • Angebote für Eltern barrierefrei formulieren, bekannt machen und bewerben.
    • Kolleg_innen und andere Dienste als Partner_innen und Unterstützer_innen gewinnen.
    • Chancen und Grenzen niederschwelligen Veranstaltungsformen.
    • Angebote für Mütter und Väter so durchführen, dass Eltern sich akzeptiert wissen und unterstützt werden.

    E Reflexion: Rolle und Haltung der Elternbegleiter_innen.

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    familienbildung ist zukunft
    AKF - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V.
    AWO Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.
    Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE) e.V.
    evangelische arbeitsgemeinschaft familie e.V.
    Kath. Bundesarbeitsgemeinschaft für Einrichtungen der Familienbildung
    Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V.

    Die Qualifizierung "Elternbegleiter_in" wird im Rahmen des Programms "Elternchance II - Familien früh für Bildung gewinnen"
    durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    Europäischer Sozialfonds für Deutschland
    Europäische Union
    Zusammen. Zukunft. Gestalten.
    Elternchance ist Kinderchance.